Landtagswahl in Baden-Württemberg 2026: Verständlichkeit, Tonalität und Populismus der Wahlprogramme seit 1980 im Vergleich [25.02.26]
Wie verständlich ist die Sprache der Wahlprogramme der Parteien zur Landtagswahl in Baden-Württemberg? Gibt es Verständlichkeits-Unterschiede zwischen den Parteien? Welches Vokabular verwenden die Parteien? Wie negativ bzw. positiv und wie populistisch ist die Sprache der Parteien? Und: Wie haben sich die Verständlichkeit und die Tonalität der Wahlprogramme seit 1980 entwickelt? Mit diesen Fragen beschäftigt sich unsere aktuelle Studie.
Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:
Vorweg: Die gemessene formale Verständlichkeit ist nicht das einzige Kriterium, von dem die Güte eines Wahlprogramms abhängt. Deutlich wichtiger ist der Inhalt. Jedoch stellt formale Unverständlichkeit eine Hürde für das Verständnis der Inhalte dar.
- Im Schnitt präsentieren die Parteien 2026 die drittlängsten Wahlprogramme seit 1980. Überhaupt können interessierte Wählerinnen und Wähler seit 2011 etwa 27.000 Wörter pro Wahlprogramm lesen. 2001 waren es noch etwa 11.000 Wörter. Den längsten Atem brauchen die Leserinnen und Leser der Grünen-Wahlprogramme. Im langjährigen Vergleich liegen diese Wahlprogramme bei etwa 37.000 Wörtern; in 2026 sogar bei 53.717 Wörtern. Das AfD-Programm ist 2026 am kürzesten: 16.590 Wörter.
- Insgesamt sind die Programme zur aktuellen Wahl mit im Schnitt 6,6 Punkten etwas verständlicher als die Programme zur Wahl 2021 (6,4 Punkte). Die drei Erstplatzierten 2026: SPD (7,8 Punkte auf dem Hohenheimer Verständlichkeitsindex), Linke (7,0 Punkte) und FDP (6,5 Punkte).
- Die häufigsten Verstöße gegen Verständlichkeits-Regeln: Fremdwörter und Fachwörter, Wortkomposita und Nominalisierungen, Anglizismen und „Denglisch“, lange „Monster- und Bandwurmsätze“.
- Die Begriffsanalyse zeigt: Über alle Parteien hinweg lassen sich bei den Begriffen keine allzu deutlichen Schwerpunkte erkennen. Stattdessen spielen mehrere Themen eine Rolle, darunter solche, die sich der Bildungs- und Sozialpolitik, aber auch der Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik zuordnen lassen. Außerdem stechen „Förderung“, „Unterstützung“, „Entwicklung“ und „Versorgung“ sowie „stärken“, „schützen“, „schaffen“ und „sichern“ heraus. Es gibt typische parteispezifische Schwerpunkte. Solche Schwerpunkte bedeuten nicht, dass die Parteien sich nur damit beschäftigen. Sie beschäftigen sich damit aber intensiver als die anderen Parteien.
- In der Tonalität spiegeln sich sowohl die Rollen als auch die grundlegenden Kommunikationsstrategien der Parteien wider. Regierungsparteien kommunizieren häufig positiver. Parteien an den Rändern, die sich auch durch Populismus auszeichnen, kommunizieren eher negativer. Die aktuelle „Agenda der Zuversicht“ der CDU ist das positivste Wahlprogramm seit 1980.
- Beim Populismus bestätigt sich: Am häufigsten finden sich populistische Äußerungen 2026 links und rechts der politischen Mitte, also insbesondere bei der AfD, dem BSW und der Linken. Der gemessene Anti-Elitismus passt insofern auch zur grundsätzlich negativeren Tonalität dieser Parteien.
Weitere Informationen und Ergebnisse finden Sie hier in der Präsentation der Studie.

